Die Kulturstiftung hat gestern den
Hieronymus-Lotter-Preis für Denk-
malpflege vergeben. Die Jury hatte
über 20 Kanddaten zu befinden und
schlug der Stiftung drei gleiche
Preisträger vor. Ausgezeichnet wer-
den die Sanierung der Gebäude
Kochstr. 31, und Käthe-Kollwitz-
Straße 115 sowie das Stelzenhaus,
das zudem Sachsens Baukultur-
Staatspreis 2004 einheimste.

     Zum achten Mal hat die Kulturstif-
tung den mit 5000 Euro dotierten Hie-
ronymus-Lotter-Preis ausgeschrieben:
“Die Auszeichnung richtet sich an pri-
vate Hauseigentümer, die ihr Bau-
denkmal besonders vorbildlich in-
stand gesetzt haben”, so Stiftungsche-
fin Birgit Damrau bei der Verleihung
gestern in der Schau “Zwei deutsche
Architekturen 1949-1989” im Städti-
schen Kaufhaus.
     Dass beim Feilen für die optimale
Lösung Späne anfallen, zeigt die Koch-
straße 31. Das von Carl Poser entwo-
fene und 1904 fertig gestellte Gebäude
ist heute Wohneigentum von fünf Ar-
chitekten, zwei Kunsthistorikern und
einem Schreiner. “Jede Bauentschei-
dung durchlief gewiss keinen konflikt-
freien, wohl aber einen substanziellen
Reifeprozess”, heißt es in der Begrün-
dung.  Auf einen Lift wurde etwa zu
Gunsten eines unveränderten Trep-
penhauses verzichtet. “Das junge
Team sanierte engagiert und behut-
sam, man ließ sich aufeinander und
auf das gemeinsame Haus ein”, meint
die Jury. So gelang es, heutige Wohn-
anforderungen mit der Geschichte
des Baudenkmales in Einklang zu brin-
gen. Den Helm hatten dabei die Bau
Block Architekten aus Leipzig auf.
     ..........

LVZ, 27.10.´04

Ingolf Rosendahl

Preiswürdig: engagiert saniertes Wohnhaus Kochstr. 31.

DER HIERONYMOS-LOTTER-PREIS FÜR DENKMALPFLEGE 2004

Die Kulturstiftung Leipzig verleiht auch in diesem Jahr wieder den
Hieronymus-Lotter-Preis für Denkmalpflege. Der Preis geht an
engagierteprivate Bauherren, die ihre Häuser unter besonderer
Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange beispielhaft
sanieren. Eine Jury aus Fachleuten, darunter Stuftungsmitglieder,
entscheidet über drei Preise und drei Anerkennungen.

HIERONYMUS-LOTTER-PREIS FÜR DENKMALPFLEGE 2004

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) Kochstraße 31
Neun private Wohnungseigentümer/innen - ein Selbstnutzerprojekt
Bauleitung: Bau Block Architekten, Leipzig

Neben fünf Architekten gehören unter anderen zwei Kunsthistoriker und ein Schrei-
ner zur GbR, die das von Carl Poser entworfene und 1904 fertiggestellte Haus
2003 erworben hatte. Durch die Gleichberechtigung der Mitglieder durchliefen
die Bauentscheidungen gewiss keinen konfliktfreien, wohl aber einen substantiellen
Reifeprozeß. So konnte der ursprüngliche Charakter der markanten Fassade , in
der Klinkerflächen, Putzflächen und Sandsteinelemente asymmetrisch und kon-
trastierend zueinandergestellt sind, wiedergewonnen werden. Besonders vor-
teilhaft zeigt sich der Risalit, der durch neue Türen der Scheinbalkone und durch
frei gesproßte neue Oberlichte deutlich an Vertikalbetonung und strukturieller
Differenziertheit gewonnen hat.
Bei der Erneuerung der Wintergärten erhielten die Oberlichte ihre kleinteilige
Gliederung mit hellgrünem Kathedralglas zurück, die historischen Schiebefenster
wurden rekonstruiert. Gut gelungen und von eigenständiger gestaltzerischer Klar-
heit sind die neu errichteten hofseitigen Stahlbalkone. Das ist gerade deshalb
hervorzuheben, weil häufig gerade bei ansonsten gut sanierten Häusern an dieser
Stelle Mittel und gestalterischer Atem auszugehen scheinen.
Das Treppenhaus blieb durch den Verzicht auf einen Aufzug weitgehend unver-
ändert. Akzente bilden die nach denkmalpflegerischem Befund wiederherge-
stellte schlichte, rotbraune Schablonenmalerei über dem grünen Sockel und die
dunkle Bierlasur der Wohnungstüren. Deren schmiedeeisernen Gitter konnten
anhand eines gefundenen Musters nachgefertigt werden. In den Wohnungen
wurden Ausstattungselemente wie Stuck, Parkett, Dielung und Türen sorgfältig
erhalten, gereinigt und ergänzt. Nachgebaute Kastenfenster sind von den aufge-
arbeiteten nicht zu unterscheiden.
Insgesamt sanierte das junge Team engagiert und behutsam. Mit einer ober-
flächlichen Glättung und Modernismen ausschließenden Haltung gelang es, indi-
viduelle heutige Wohnanforderungen unprätentiös mit der Geschichtlichkeit des
Baudenkmals in Einklang zu bringen. 

Leipziger Blätter - Ausgabe 45 - 2004


Kochstr. 31

Leipzig - Connewitz

Leipzig, Kochstraße

Rettung eines Gründerzeithauses durch Selbstnutzerprojekt

Bauherr und Eigentümer




 

GbR Kochstraße 31, Leipzig
S. Schilling, Ch. Knoche, B. Thiemann,
M. Scholz-Hänsel, G. Stäblein, S. Fürstenberg,
U. Hillmann, Ch. Lettgen, A. Heck
R. Kleine-Brockhoff, M. LaBonté, B. Treutner,
R. Ludwig, Leipzig

Entwurf und Planung

Georg Stäblein, Baublock-Architekten, Leipzig

Statik

Bosold Ingenieure, Leipzig

Preisträger

Anzahl der Wohnungen:
Wohnfläche insges.:
Wohnfläche je WE:
Umbauter Raum:
Geschoßflächenzahl:
Grundstücksgröße:
Gesamtkosten brutto
Baukosten brutto:
Jahr der Fertigstellung:

9
926 m²
105 m²
4.520 m³
0,54
600 m²
900.000 Euro
648 Euro/m²
2004

Leipzig verfügt über einen großen Be-
stand an denkmalgeschützten Gebäu-
den aus der Zeit um 1900. Ca. drei
Viertel des Bestandes sind bis zum
heutigen Zeitpunkt saniert, für den
Rest besteht derzeit überwiegend kei-
ne Nachfrage. Im Zuge des notwendi-
gen Stadtumbaues droht deshalb die
Perforierung der Stadt und der Verlust
wertvoller Einzelgebäude aus der Zeit
des Historismus.
Dank des Engagements einer Selbst-
nutzergruppe konnte ein vorstadti-
sches, mehrgeschossiges Wohngebäu-

de in der Südvorstadt denkmalgerecht
erneuert werden. Damit wurde nicht
nur ein Einzelbauwerk erhalten, son-
dern auch das städtische Ensem-
bel vor einer empfindlichen Störung
bewahrt. Zur bauherrengemeinschaft
des bürgerlichen rechts (DbR) gehören
u.a. fünf Architekten, zwei Kunsthi-
storiker und ein Schreiner. Da alle Bau-
entscheidungen in der Auseinanderset-
zung des gesamten jungen Teams ge-
troffen wurden, erwies sich die Sanie-
rung auch als ein sozialer Prozess
kollektiver Findung.

Die Straßenfassade wurde denkmalge-
recht wiederhergestellt. Dagegen wei-
sen die neu errichteten Stahlbalkone
auf der Hofseite eine anerkennenswer-
te eigenständige moderen Handschrift
auf.
Die Jury würdigt die modellhafte
Annäherung an das Projekt, das zur
Rettung eines Gebäudes der Leipziger
Gründerzeit führte und das trotz be-
schränkter finanzieller Mittel dennoch
einen hohen Qualitätsstandard auf-
weis.
 

Das Votum der Jury


Deutscher Bauherrenpreis 2005